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METAscales: Praxiswissen trifft Forschung

  • vor 4 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Die deutsche Nordseeküste steht vor beispiellosen Herausforderungen: Beschleunigter Meeresspiegelanstieg, Extremereignisbündel – wie die gleichzeitige Überlagerung von Sturmfluten mit Starkniederschlägen – und tiefe Unsicherheiten über zukünftige Extremereignisse stellen etablierte Küstenschutz- und Katastrophenmanagement-Paradigmen infrage. Während heutige Strategien auf historischen Bemessungs- und Erfahrungsgrundlagen basieren, sind die Dynamiken von morgen kaum vorhersagbar. Wie also entwickelt man Anpassungspfade, die unter diesen Bedingungen robust bleiben?​


Aus dem Projekt ergeben sich drei Wege zur resilienten Küste:


 1) CCT - Partizipation und Reallabore


Die in Wremen und Nordstrand als OKEANO-Beacon-Sites registrierten Reallabore – Teil eines EU-geförderten internationalen Netzwerks von Reallaborstandorten – schaffen durch Walking Interviews, Gruppendiskussionen und Fachbeiräte eine Schnittstelle zwischen Küstenschutzbehörden, Zivilschutzakteuren im Küsten- und Katastrophenschutz und lokalen Gemeinden. Dieser transdisziplinäre Co-Design-Ansatz verankert Wirkungsketten mariner Extreme lokal und gleicht sie mit den administrativen Rahmenbedingungen ab, die bisher oft starr auf einzelne Sektoren ausgerichtet sind.


Deichschau in Wremen.
Deichschau in Wremen.

 2) CCT - Generisches Konzept für Frühwarnsysteme


Im Bereich Frühwarnung schafft METAscales Grundlagen für Erdbeobachtungstools und erweitert diese, um numerische Modellierung mit Klima- und Fernerkundungsdaten zu kombinieren. Ausgerichtet an der UN "Early Warnings for All" oder EW4All-Initiative arbeiten wir in der Mission mareXtreme an einem End-to-End Multi-Hazard Early Warning System, das sich an vier Kernbereichen ausrichtet: Risikowissen, Monitoring und Warndienste, Warnhinweis-Verbreitung sowie Reaktionsfähigkeit. Zukünftig sollen diese Werkzeuge Rapid Response Initiativen im Katastrophenfall unterstützen – durch Bestandsaufnahmen kritischer Infrastruktur und Vorher-Nachher-Assessments von Küstenlinien.



 3) CCT - Marine Extreme und deren Auswirkungen


Impact-based forecasting (IBF, wirkungsbasierte Vorhersage) verlagert den Fokus von physikalischen Parametern auf die spezifischen Konsequenzen von Extremereignissen. Anstatt lediglich Wasserstände vorherzusagen, identifiziert IBF, wie das Zusammenspiel von Sturmfluten, Wellen und Starkniederschlägen katastrophale Küstenerosion oder Entwässerungsversagen im tiefliegenden Hinterland auslösen wird. In METAscales wird dieser Ansatz zu "Early Warning for Adaptation" erweitert und dehnt den Vorhersagehorizont auf saisonale und dekadische Zeitskalen aus. Dies ermöglicht die frühzeitige Implementierung proaktiver Maßnahmen wie naturbasierte Lösungen, lange bevor Meeresspiegelanstieg oder Extremereignisse sie zur Notwendigkeit machen.


Ein besonderer Moment im METAscales-Projekt 2025 war das Jahrestreffen, bei dem Oberdeichgräfe Günter Veldmann aus dem Reallabor Wremen seine Erfahrungen einbrachte. Aus diesem transdisziplinären Austausch auf Augenhöhe entstanden konkrete neue Forschungskooperationen: Die Erfassung von Treibsel – organisches Material wie Äste und Seegrashalme, deren Entsorgung immensen Aufwand erfordert – sowie die Analyse von Risiken durch angeschwemmtes Treibgut wie Container oder Baumstämme, die Deiche durch Anprall beschädigen können. 


Diese Themen zeigen, wie Reallaborarbeit funktioniert: Wissenschaftler*innen erhalten praxisrelevante Impulse, während lokale Akteure Zugang zu Forschungsexpertise erhalten.

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